Sauerstoff ist kein Medikament! Aus diesem Grund finden Sie die Behandlung mit
diesem Naturstoff im vorliegenden Abschnitt.
Einzelheiten der Sauerstoffbehandlung sind immer Sache eines Facharztes. Deshalb
finden Sie hier nur einige praxisbezogene Grundzüge dieser Behandlungsform
und prinzipielle Anmerkungen dazu (Wer sich speziell
für dieses Thema interessiert, findet ein hervorragendes Buch über
die Sauerstofflangzeittherapie im Anhang. Es stammt aus der Feder des Chefarztes
der Klinik Bad Reichenhall, aus der auch dieses Buch kommt, Prof.Dr.W.Petro).
Es gibt auch eine Menge Missverständnisse und Gerüchte zu diesem Thema
- wir wollen versuchen, die häufigsten zu klären und auszuräumen.
Eines davon ist die immer wieder gehörte Annahme, dass Sauerstoffmangel
(primär) Atemnotgefühl auslösen würde. Das stimmt so nicht.
Sauerstoffmangel führt eher zu einer (scheinbar unerklärlichen) Schlappheit
und Müdigkeit, die Menschen werden schläfrig und benommen.
Das ist ein Grund dafür, dass es keinen Sinn macht, Sauerstoff nach Bedarf
anzuwenden. Eine Sauerstoffbehandlung ist immer nur dann wirklich sinnvoll,
wenn die (meist aus dem Ohrläppchen entnommene)
Blutprobe einen nennenswerten Sauerstoffmangel anzeigt. Eine Sauerstofflangzeittherapie
(LTOT, d.h. LongTime Oxygen Therapy) ist nach heutiger Meinung der Spezialisten
nur dann angezeigt und sinnvoll, wenn diese Messung mehrfach durchgeführt
wurde und die Sauerstoffwerte immer wieder zu niedrig sind.
Dann allerdings muss die Anwendung des Naturstoffes O2 über einen längeren
Zeitraum, evtl. sogar dauernd erfolgen.
Eine nur minutenweise Anwendung - wie dies häufig gemacht wird - ist zwar
im allgemeinen nicht schädlich, medizinisch gesehen aber sinnlos.
Wichtig ist in diesem
Fall, dass die genaue Sauerstoffdosis (also die Menge, die man pro Minute in
die Nase fließen lässt: Liter/Minute – sie wird dann am Gerät
eingestellt) sorgfältig von einem Lungenfacharzt ausgetestet wird. Auch
wenn es sich um einen Naturstoff handelt, kann man nämlich schnell zu viel
Sauerstoff einatmen. O2 ist zwar (unter Normalbedingungen) nicht giftig, kann
aber in bestimmten Situationen zu einer Dämpfung der Atemtätigkeit
führen. Dadurch kann im Blut der Gehalt an Kohlendioxid (CO2) (s. Gasaustausch
im ersten Kapitel) ansteigen, und dies kann durchaus gefährlich werden.
Die Beschwerden, die daraus resultieren, unterscheiden sich nur wenig von den
Anzeichen für den Sauerstoffmangel, so dass man selbst nicht entscheiden
kann, was denn nun eigentlich los ist.
Die Dosis (z.B. 1 l/min), die vom Lungenarzt verordnet wurde, darf also längerfristig
nicht selbständig erhöht werden, es sei denn, es ist von vorneherein
ein gewisser Spielraum ausgemacht (z.B. nachts 0,5 l/min, tags in Ruhe 1 l/min
und bei Belastungen 2 l/min - so könnte etwa eine Verordnung aussehen).
Die Einnahmedauer sollte in der Regel 12 -16 Stunden täglich nicht unterschreiten,
in vielen Fällen wird auch eine „Anwendung rund um die Uhr“ notwenig und
sinnvoll sein. Besprechen Sie das unbedingt ganz genau mit Ihrem Arzt.
Andererseits sollte niemand, der nicht nachgewiesen krankhafte Blutgaswerte (Blutgase sind O2- und CO2-Werte und der Blutsäuregrad pH) hat, Sauerstoff anwenden. Mal abends „10 Minuten Sauerstoff tanken“ ist eine Spielerei, medizinisch unsinnig und zudem noch teuer.
Zur praktischen Anwendung nur soviel: Es gibt verschiedene Formen der Sauerstofftherapie,
insbesondere Flüssigsauerstoff und Sauerstoff über einen sog. Konzentrator,
auch wenn der Stoff natürlich immer derselbe ist.
O2-Konzentrator:
Hier wird in Ihrer Wohnung ein mehr oder weniger großes Gerät aufgestellt
und an die Steckdose angeschlossen. Sie können nun, solange das Gerät
eingeschaltet ist, Sauerstoff entnehmen. Es brummt leise vor sich hin, das ist
bei den modernen Konzentratoren aber viel besser geworden. Hier wird Sauerstoff
aus der Raumluft gezogen und fließt konzentriert in Ihren Sauerstoffschlauch,
daher auch der Name Konzentrator. Vorteil hierbei ist, dass Sie nicht von einem
Nachfüllservice abhängig sind.
Nachdem wir oben gesehen
haben, dass eine Sauerstoffbehandlung fast immer eine Langzeitanwendung darstellt,
ist meist die Flüssig-O2-Therapie sinnvoller. Lediglich bei sehr schlecht
belastbaren Patienten, die kaum noch die Wohnung verlassen können oder
einigen Kranken, die nur nachts zu niedrige Sauerstoffwerte aufweisen, ist der
Konzentrator angebracht. Allenfalls kann man eine Behandlung über einen
Sauerstoffkonzentrator mit der Verordnung einer kleinen Stahlflasche für
unterwegs kombinieren.
Früher wurden oft große Sauerstoffstahlflaschen verordnet (wie sie
z.B. auch zum Schweißen verwendet werden). Das ist aber nach dem oben
Gesagten nicht sinnvoll, denn dann bräuchten Sie alle paar Tage eine neue
Flasche …
Die Langzeitsauerstofftherapie verbessert nicht nur die Sauerstoffwerte im Blut
und die - wie beschrieben uncharakteristischen - Beschwerden, sondern sie ist
höchstwahrscheinlich auch in der Lage, das Herz des Kranken vor der gefährlichen
Erschöpfung zu schützen und damit effektiv Leben zu verlängern.
Sie gehört damit zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten einer
schweren COPD und sollte keinesfalls
abgelehnt werden, wenn sie von einem Facharzt nach mehreren Sauerstoffmessungen
vorgeschlagen wird.
Damit ist eigentlich auch schon das Wichtigste zu dieser erstaunlichen Behandlungsform
gesagt. Wenn Sie meinen, dass Sie zu der angesprochenen Patientengruppe gehören,
dann sprechen Sie Ihren Arzt, am günstigsten den Lungenarzt unbedingt darauf
an. Er wird das mit Ihnen besprechen und gegebenenfalls die weiteren Schritte,
die erforderlich sind, einleiten.
Freigegeben
für unsere Homepage von Dr. Michael Prittwitz
aus dem Buch "Luft ist Leben"
[@uelle http://curamont.de/inhalt.htm ]